Hanpfpalmen im Winter

Beim Kauf der Palmen findet man an ihnen oft einen Sticker auf dem steht, die Palme sei winterhart bis -20°C.

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Diese -20°C übersteht die Palme aber keinesfalls ohne Schäden, die Blätter werden teilweise schon bei -10°C geschädigt. Es kommt zu Perforierungen und Rissen,die Blattsegmente rollen sich zusammen und sterben später ab. DSC04875[1]

Dauern diese tiefen Temperaturen über einen längeren Zeitraum an, sterben die Blätter komplett ab.

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Ein oft vorkommendes Schadensbild sind die Winterränder.
Sie entstehen wenn das Wachstum der unentwickelten Fächer, der Speere, im Winter über längere Zeit fortschreitet, die Wurzeln der Palmen aber nicht aktiv sind, der Neutrieb somit nicht mit ausreichend Nährstoffen versorgt wird.
Dieser Schaden ist nicht reparabel, beschränkt sich aber nur auf wenige neue Fächer.

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Eine schwerere Form dieses Schadens ist die echte Speerfäule, dabei stirbt der Neutrieb direkt über dem apikalen Meristem (Herz) komplett ab.
Die Speere lassen sich leicht herausziehen.

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In diesem Fall kann es sehr lange dauern bis neue Triebe erscheinen, in vielen Fällen ist aber auch das Meristem betroffen, so dass die Palme verloren ist.
In diesem Fall spricht man oft von „Herzfäule“, das Herz ist aber in den meisten Fällen schlicht und einfach erfroren oder durch Unterversorgung abgestorben.
In der Folge verfault das Herz tatsächlich, das tote Gewebe verrottet auf natürliche Weise..
Diese Unterversorgung entsteht wenn die Wurzeln erfrieren oder die Leitbündel im Stamm durch Frost kollabieren.
Um zu erklären was genau da passiert, ist der Rahmen dieses Beitrags zu beschränkt.
Sollte Jemand Interesse an einer wissenschaftlichen Abhandlung dazu haben, kann er folgendes Dokument abrufen.
Hier wird der Vorgang nicht explizit anhand von Palmen erklärt, aber es betrifft alle Pflanzen in ähnlicher Form.

Kälte und Pflanze

Wie vermeiden wir nun solche Schäden?

Wir müssen die Palmen unbedingt vor zu tiefem, lang anhaltenden Frost schützen.
Zuerst einmal eine Aufstellung ab welcher Temperatur die einzelnen Pflanzenteile Schaden nehmen können.
Die Angaben beziehen sich auf Angaben einer Untersuchung von Professor Walter Larcher.

Die Blätter:

Alter Fächer -11°C
Junger Fächer -10,5°C
Blattstiel -10°C
Speer -11,5°C
Blattbasis -8,5°C

Der Stamm:

Die Leitbündel -6°C
Das Meristem -11,5°C

Die Wurzeln -6,5°C

Hieraus kann man zwar erkennen, dass das Meristem eines der frosthärtesten Pflanzenteile ist, es aber nicht sehr hilfreich ist wenn die es versorgenden Leitbündel schon ab -6°C kollabieren können.
Aus diesem Grund überstehen auch junge Hanfpalmen ohne Stamm den Winter besser als ältere Palmen bei denen sich schon ein Stamm gebildet hat und deren Meristem bereits weit über dem Erdboden liegt.
Bei jungen Palmen enden die Wurzeln direkt unter dem Meristem, lange Leitbahnen, wie alte Palmen haben sie noch nicht.
Das Meristem befindet sich direkt über dem Erdboden oder teils sogar darunter.

Nun zum Schutz.

Bei sehr kleinen Hanfpalmen reicht es aus die Wurzeln zu schützen.
Dazu nimmt man ausreichend Rindenmulch, Laub oder anderes isolierendes Material und schüttet es bis zur Austrittsöffnung der Blätter an.
Bei tieferem Frost sollte man natürlich auch die Blätter schützen, meist reicht dazu eine einfache Decke.
Wenn Schnee gefallen ist, kann man die Palme damit einfach komplett inklusive den Blättern zuschütten.

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Bei Palmen die bereits einen Stamm gebildet haben, ist der Schutz etwas aufwändiger.
Ich selber habe in der Vergangenheit mit den abenteuerlichsten Konstruktionen experimentiert.
Hierzu zählen Schutzbauten komplett aus Styropor, Folienhäuser oder Schutzbauten aus Bigbags.
All diese Methoden haben sich als nicht sehr sinnvoll und zu aufwändig herausgestellt.
In den letzten Jahren hatte ich die besten Erfolge mit einer kompletten Verhüllung der Palmen mit Jute.
Diese Art von Schutz ist sehr schnell anzubringen und isoliert bestens.
Die Bodenabdeckung besteht auch nicht mehr aus Mulch, sondern nur noch aus 5cm starken Styroporplatten unter denen ein Teil des für den Stamm – und Kronenschutz verwendetem Heizkabels liegt.

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Die Fächer werden mit Paketklebeband gebündelt.
Hierbei wird das Klebeband an einem der innen liegenden jungen Blattstiele befestigt und ein Stiel nach den anderen Richtung Stamm gezogen und mit dem Band umwickelt.
So arbeitet man sich nach und nach bis zum letzten unteren Blatt vor.
Zum Schluss wird noch die Krone etwas kompakter gebunden.
Diese Arbeit ist innerhalb weniger Minuten erledigt.
Dann wird das Heizkabel in einem Windungsabstand von 15 bis 20cm angebracht und das Ganze mit den Jutebahnen umwickelt.

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Im Großen und Ganzen war es das schon.
Diese Art von Schutz lässt sich bei milden Wintertemperaturen sehr schnell ganz oder teilweise entfernen und bei drohendem Starkfrost wieder anbringen.

Abschließend kommen wir zur Steuerung des Heizkabels.

Hierzu eignet sich ein Universalthermostat das auch im negativen Temperaturbereich abeitet.
Ich nutze dazu die UT100 / 200 von Conrad Elektronik.
Dieser Thermostat ist, der erhöhten Nachfrage geschuldet, in den letzten Jahren allerdings sehr stark im Kaufpreis gestiegen.
Es gibt aber mittlerweile preiswertere Alternativen.

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Am Thermostaten befindet sich ein langes Fühlerkabel, dessen Fühler im oberen Kronenbereich der Palme, zwischen den Blättern angebracht wird.
Den Thermostaten lege ich einfach unter einen Eimer in Stammnähe.
In seine Steckdose wird das Heizkabel gesteckt.
Der Thermostat auf Ein -8°C und aus -6°C eingestellt.

Nun kann nichts mehr passieren.

Im Frühling nach dem Auspacken sieht die Palme wieder gesund und munter aus:

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Weiterführende Links:
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